Buch des Monats Juni 2018


Armin Kaster: Du denkst die Welt zerfällt, und brichst nur selbst in Stücke.
Wien: Verlag Jungbrunnen.

ISBN: 978-3-7026-5922-6
Umfang: 120 Seiten

Trennungsängste und Selbstfindung eines Jugendlichen
Selbstliebe wird gegenwärtig großgeschrieben: „Liebe dich und nimm dich mit all deinen Schwächen an, erst dann wirst du andere lieben können.“ In ähnlichem Wortlaut lesen sich die Botschaften an Zeitgenossen, die man gegenwärtig in Fachliteratur findet. Die Folgen überhöhter Selbstliebe, der in Narziss mündet, spürt Leo momentan am eigenen Leib, denn seine narzisstischen Eltern, die sich permanent um die um die eigene Achse drehen, verlieren zunehmend den Blick für das Wohl ihres Kindes aus den Augen.
Leo fühlt sich mies, denn seine Eltern haben sich getrennt und wandeln seitdem auf dem Selbstfindungstrip: Leo´s Vater hat für sich das Meditieren entdeckt und will während eines Aufenthaltes im Kloster wieder zu sich kommen und sich in Achtsamkeit üben. Seine Mutter amüsiert sich seit der Trennung von ihrem Mann abwechselnd mit irgendwelchen Typen. Obwohl die Besuche in den jeweils getrennten Wohnungen geregelt sind, kommt bei den Eltern immer etwas dazwischen, sie haben ständig irgendwelche Termine wie Konferenzen oder eben einen Klosteraufenthalt.
Die eigenen Eltern werden zunehmend unzuverlässiger und Leo´s Leben gerät aus dem Gleichgewicht. Er durchlebt Einsamkeits- und Verlassenheitsgefühle, hängt immer öfter mit Freunden ab, konsumiert Drogen und Alkohol. Als er plötzlich dubiose Videos auf seinem Handy entdeckt, breitet sich ein Gefühlschaos aus Angst, Panik und Verfolgungswahn in seinem Inneren aus. Er will weg, weit weg, und flieht ans Meer, nach Holland.
Armin Kastner, beheimatet in Düsseldorf, erzählt hautnah von den Nöten eines Trennungskindes aus Sicht eines 15-Jährigen Buben. Die in seinen Jugendromanen verwendete Jugendsprache wirkt authentisch, nicht aufgesetzt. Der Autor versteht es, Spannung zu erzeugen, sodass man das Buch ungern aus der Hand legt. Nach seinem erfolgreichen Buch „Winterauge“, 2017( Rezension in bn- Bibliotheksnachrichten Salzburg (www.biblio.at/ 1/2018), möchte ich diese Neuerscheinung Jugendlichen ab 13 Jahren empfehlen. 

Cornelia Stahl