Buch des Monats September 2018

Luna Al-Mousli: Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus.
Frankfurt/Main: weissbooks. 2016. 128 Seiten.
ISBN-10: 3863371070                                                                                           ISBN-13: 9783863371074

„Vom Wunsch getragen, irgendwann anzukommen“
„Ich trage meine Heimat in mir“ bezeugte die bulgarische, in Wien lebende Autorin Antina Zlatkova selbstbewusst in einem Interview. Im Buch von Luna Al-Mousli: „Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus“ hingegen lesen wir von einem gänzlich anderen Lebens- und Heimatgefühl.


„ Es war einmal,
es war keinmal
bis es einmal war“.

So beginnt einleitend ihr Buch und erinnert zunächst an Märchen. Versammelt sind darin Textminiaturen auf Deutsch und auf Arabisch. Die in Melk/ Niederösterreich geborene und in Syrien aufgewachsene Autorin erzählt in 44 Geschichten von ihrer Kindheit in Damaskus, dem Aufwachsen mit Cousinen und Cousins, Erlebnissen in der dortigen Schule und von gemeinsamen Festen.
Zwischen den Zeilen spürt der Leser die innige Verbundenheit der Autorin mit ihrer syrischen  Heimat. Als Kontrast liest sich die Beschreibung ihres Ankommens in Wien: Die ewigen Fragen: „Luna, wieso trägst du kein Kopftuch“, „Luna, wo liegt denn eigentlich Syrien, in Afrika?“ wirken eher verstörend und nervenaufreibend, wie man unschwer nachvollzeihen kann.
Al-Mousli  gibt in ihren Texten Auskunft zu eigenem Empfinden in zwei (konträren) Welten- in Syrien und in Österreich. Ein Pendeln zwischen der Familie dort und der Einsamkeit hier, den Geborgenheitsgefühlen dort (in Syrien) und den Gestaltungsoptionen junger Menschen hier, in Österreich.
Mit den Augen eines Kindes schaut sie noch einmal zurück, präsentiert uns Szenen aus Damaskus. Das Buch liest sich vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche in Syrien und ermöglicht dem Leser, sich der Gedanken- und Gefühlswelt einer Zugewanderten, einer Nicht-Österreicherin, anzunähern. Verspielt wirken die, passend zum Inhalt gestalteten, rot-weiß-roten Zeichnungen sowie die knallig roten Innenseiten.
Ich wünsche dem Buch viele Leser/Leserinnen und Möglichkeiten, mit offenen Blicken  aufeinander zuzugehen!


Cornelia Stahl