Buch des Monats Oktober 2018

Heinz Janisch/ Helga Bansch: Es gibt so Tage.
Wien: Jungbrunnen-Verlag. 2001.
32 S. geb.- ISBN 3-7026-5734-7

Den Stadtalltag- mit Kinderaugen betrachtet
„Es gelingt nicht immer alles“, fasste Jutta Treiber resümierend einmal das Ergebnis ihrer langjährigen Arbeit als Autorin zusammen. Das beruhigte mich ungemein, denn auch ich kenne Tage, an denen so manches daneben geht. Das natürlich nur aus meiner Sicht, aus der eines Erwachsenen.
Ganz anders hingegen ist der Blickwinkel von Kindern: Im Kinderbuch von Heinz Janisch und Helga Bansch: „Es gibt so Tage“ schaut uns ein Mädchen mit abstehenden Zöpfen und großen Augen ratlos an. Der ganz normal Alltag in der Stadt läuft mal wieder völlig aus dem Ruder und Merike kann so einiges erleben: „Es  gibt so Tage, da gehen alle auf Stelzen“, Wasserdampf steigt auf und die Stadtbewohner schauen ängstlich von oben herab auf die Stadt, in Erwartung des nächsten Unheils. An anderen Tagen kann es passieren, dass die Bewohner eine Kirsche auf dem Kopf haben. Die Illustrationen spielen mit dem Text, fügen Variationen von Kirschmund über Kirschrot, Kirschensaft, Herzkirsche und der Japanischen Kirsche hinzu. Der Leser und Betrachter lässt sich gern auf dieses Spiel ein,  blättert neugierig zur nächsten Seite um, in Erwartung eines neuen Abenteuers. Wie erscheint uns die Stadt? Gerade im Sommer bietet sie unzählige Möglichkeiten an Beobachtungen, ob von ebener Erde oder von einem Aussichtsturm, mit der Möglichkeit, verschiedene Perspektiven einzunehmen und unterschiedliche Sujets zu entdecken.
Merike schaut mit einem Fernrohr von oben herab auf die Stadt, die ihr heute als Dschungel erscheint. Vom Kopfstand, zum Kuss und schließlich zum Kunststück kann man mit so ziemlich allem rechnen, was einem in der Stadt widerfährt. Am Ende schauen alle in die Luft und können mitunter sogar fliegen. Einen Heidenspaß hat der Leser beim Betrachten der lustigen Illustrationen und möchte selbst augenblicklich abheben, egal, wohin die Reise geht. Fast enttäuscht ist man beim letzten Bild, als Merike mit ihrem Stoffhasen einfach nur im Bett liegt.
Aber, „es gibt so Tage, da bleibt Merike einfach im Bett und denkt sich Geschichten aus“. Spätestens an dieser Stelle wünschen wir uns zurück in die Kindheit, in eine Zeit mit unendlich viel Zeit. Oder wir legen uns ins Bett…, und denken uns selbst Geschichten aus.
Ein wunderbares Buch zum Vorlesen, Selberlesen oder Betrachten. Ab 3 Jahren.

Cornelia Stahl