Buch des Monats Juni


Michal Hvorecky: Troll. 2018,
3. Aufl., 215 S., Übersetzung: Kraetsch, Mirko,
Stuttgart: Verlag Tropen, J.G. Cotta´sche Buchhandlung.
ISBN: 9783608504118

Dystopie: Osteuropa in naher Zukunft
Ein Heer aus „Trollen“ beherrscht das Internet, verbreitet ungebremst Fake-News und Hetzparolen: „Zehntausende mit Anonymusmasken und Sturmhauben unter freiem Himmel. … Sie suchen im Netz nicht nach der Wahrheit, sondern nach ihrer eigenen Weltanschauung“ (S.16).
Michal Hvorecky, slowakischer Autor, der selbst unzählige Male Zielscheibe von Beschimpfungen und Hassparolen im Netz war, skizziert eine mögliche Zukunft Osteuropas, beschreibt die Dystopie einer digitalen Welt, einer Welt, in der unkontrolliert und in rasendem Tempo Hass und Hetzparolen verbreitet werden.
Hvorecky verknüpft in seinem Erzählen Gegenwart und Zukunft. Insbesondere die junge Generation der 18 bis 25- Jährigen, so argumentiert der Autor in einem Interview, in die jede Menge Hoffnung für eine proeuropäische Idee gelegt wurde, tummelt sich in künstlich entworfenen digitalen Welten. Da fällt eine Unterscheidung zwischen realen Daten und Fake-News zunehmend schwer. Neben Düsternis stösst der Lesende auf zwei Helden, zwei Freunde, die versuchen, dem Ganzen Gebaren einen Streich zu spielen und es von innen auszuhöhlen.
Der Autor verarbeitet zeitgenössische Fragen: Angesichts der zunehmenden Einschränkung der Pressefreiheit, medial geschürter Ängste in der Öffentlichkeit und der schleichenden Erosion demokratischer Werte, kann dieses hochaktuelle Buch allen Bibliotheken empfohlen werden. Im Subtext appelliert es Lesende dazu, Meinungen, Macht und Manipulation stärker als bisher infrage zu stellen, Widerstand zu leisten sowie Mut und Zivilcourage zu stärken.

Michal Hvorecky, 1976 geboren, lebt als Schriftsteller und Journalist in Bratislava, studierte Kunstgeschichte und semiotisch orientierte ästhetische Theorie an der Universität in Nitra.   Im März 2019 war er als Writer in Residence im Literaturhaus Niederösterreich, in Krems. Cornelia Stahl sprach mit ihm über seinen Roman „Troll“, über zurückliegende und gegenwärtige politische Entwicklungen in der Slowakei seit dem EU-Beitritt.
Das Buch ist im kibi entlehnbar.