Buch des Monats Juli 2019

Adelaide Bon: Das Mädchen auf dem Eisfeld.
2019, 237 Seiten. Deutsch, Übersetzer: Bettina Bach,
Verlag: Hanser Berlin,

ISBN: 9783446262034


Wenn Traumatisierungen ungewollt auftauchen
Wie kann man eine Sprache finden für traumatische Ereignisse, die man über viele Jahre hinweg erfolgreich verdrängt und von sich gewiesen hat? In welcher Weise ist es möglich, diese im Erwachsenenalter zu Papier zu bringen?
Das Geschehen, scheinbar vergessen, nistet sich ein in ihrem Körper, durchdringt jede Zelle, verfolgt sie in jeden Winkel, in dem sie sich verkriechen möchte. Doch die Ereignisse holen sie immer wieder ein. Selbst während den Auftritten auf der Bühne als Schauspielerin, in der sie ihre Identität leugnen und in andere Rollen schlüpfen kann, Drogen konsumiert, Beziehungen eingeht und wieder verliert, entkommt sie den Dämonen ihrer Kindheit nicht.
Gemeint ist hier die Autorin selbst. Erst als sie den Dreißiger erfolgreich überschritten hat, wagt sie sich, ihre Geschichte zu Papier zu bringen, die Geschichte um die sexuelle Belästigung des damals neunjährigen Mädchens, das sie war.
In ihrem autobiografischen Roman erzählt sie von einem prägenden Abschnitt aus ihrem Leben. Der Roman zeugt zugleich von einer Identitätssuche einer jungen Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen parallel existierenden Welten. Die Autorin findet eine eindringliche Sprache für ein verdrängtes Thema und erobert sich ein Stück Leben zurück.
Das Buch, das ich Lehrern wie Eltern gleichermaßen empfehle, enthält im Subtext den eindringlichen Appell, im Umgang mit Kindern und Jugendlichen genauer hinzuhören und hinzuschauen, gelegentlich das Display des eigenen Smartphones aus den Händen zu legen und sich Zeit zu nehmen für Gespräche. 
Adelaïde Bon, 1981 geboren, studierte Schauspiel in Paris, arbeitet am Theater und für´s Fernsehen. Erwachsenen empfohlen!
Cornelia Stahl

Das Buch ist im kibi entlehnbar.