Buch des Monats Oktober 2019

Ami Polonsky: Und mittendrin ich.
2019, 288 Seiten, Deutsch,
Übersetzung: Petra Koob-Pawis
 München: Verlag: cbj,
ISBN: 9783570165195


Unsicherheit und Identitätsfindung jugendlicher Transgender-Personen

Bereits der Buchtitel spielt mit den Erwartungen der Leser/innen, ebnet den Weg zu einer nicht enden wollender Assoziationskette und hinterlässt Spuren des Geheimnisvollen.

Protagonist Grayson, gerade mal zwölf Jahre alt, blickt auf eine weniger glückliche Kindheit zurück. Nach dem für seine Eltern tödlich endenden Autounfall lebt er fortan bei seiner liebevollen Tante Sally und seinem Onkel Evan. Verunsichert durch die erlebten Verlusterfahrungen, beginnt Grayson ebenfalls an seiner Identität zu zweifeln, als er seine Vorliebe für Mädchenkleidung entdeckt. Als beim Theaterspielen in der Schule die weibliche Rolle der Persephone unbesetzt bleibt, überwindet er seine Schüchternheit und fragt: „Kann ich Persephone vortragen?“ (S.89).
Aus Grayson´s Sicht lernen wir seine Wünsche, Sehnsüchte und Träume kennen. Ob Geschlecht immer gekoppelt ist an Farben wie Rosa oder Violett, bleibt der Entscheidung der Lesenden überlassen.
In sechsunddreißig Kapiteln verhandelt Ami Polonsky Themen wie Transgender sowie Freundschaft, Vertrauen, Verlustängste und Einsamkeit. „Ich habe es satt, dass Menschen mich verlassen, ich habe es satt, dass sie mich mit Briefen abspeisen“ (S.281) denkt Grayson beim Lesen von Finns Abschiedsbrief.

Ein melancholischer Grundton, der das Gefühl der Unsicherheit des Protagonisten unterstreicht, schwingt zwischen den Zeilen und ermöglicht eine starke Identifikation mit Grayson. Ein Mut-Mach-Buch, das dazu ermuntert, eigene Gefühle auszuleben und auch nichtkonforme Identitäten zuzulassen.

Ami Polonsky, Schreibtutorin, ehemalige Lehrerin, lebt mit ihren zwei Kindern in der Nähe von Chicago. Das vorliegende Jugendbuch ist ihr Debüt.
Allen Jugendlichen ab 12 Jahren empfohlen!

Das Buch ist im kibi entlehnbar!