Buch des Monats September 2020

Hannes Leidinger, Christian Rapp: Hitler. Prägende Jahre.
Kindheit und Jugend 1889-1914.
Salzburg/Wien: Residenz-Verlag. 2020.
ISBN: 978-3-7017-3500-6


Warum noch eine Biografie über Hitler? frage ich mich, als ich die Ankündigung des Verlages sehe, irgendwann dann das Buch letztlich in den Händen halte und es misstrauisch betrachte.
Die universale Relevanz hat Hitler bis in die Gegenwart aufgrund des Holocaust, so begründen die Autoren die Beschäftigung mit dem einstigen Diktator und entlehnen Worte bei Hanna Arendt. Wahrscheinlich hätte es auch keinen millionenfachen Judenmord gegeben, ist Sebastian Haffner überzeugt.
Im vorliegenden Ausschnitt, insbesondere der Skizzierung der Kindheits- und Jugendjahre Adolf Hitlers, untersucht das Autorenduo Leidinger und Rapp jene frühen Jahre des Diktators, bis ca. 1914, in denen sich sein Charakter und sein Weltbild formt. Es geht nie um die Person Adolf Hitler allein, sondern um seine Familie, den jähzornigen Vater und die sanfte Mutter, seine Schulbildung, erste Versuche, beruflich Fuß zu fassen, wechselnde Aufenthalte in Männerwohnheimen aufgrund finanzieller Engpässe. Die Klammer der Blicke ins Innere der Person bildet die Darstellung der gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse, die Hitler umgeben und maßgeblichen Einfluss auf seine Existenz ausüben.
Wir steigen ein mit dem Kapitel: „Keine heile Welt“, werden weitergeführt durch „Ortswechsel“, „Spiele, Krieg und Nationen“, folgen der Zeit „Nach dem Tod des Vaters“, erfahren etwas über den damaligen „schwelenden Antisemitismus“. Das Schlusskapitel „Der ewige Hitler“ fasst die Polaritäten der Figur Hitler nochmals zusammen: Versager und politische Größe.
Eine lesenswerte Biografie, jedoch nicht als „Gute-Nacht“-Lektüre empfohlen!
- Ab sofort im kibi entlehnbar! -