Buch des Monats Februar 2021

Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land.
Stuttgart: Klett – Cotta. 2019.
ISBN: 978-3-608-96436-3.

Der eigenen Familiengeschichte auf der Spur
Ruth, Physikerin, kehrt in die Stadt ihrer verstorbenen Eltern zurück, um das Begräbnis zu organisieren. Die Stadt Groß-Einland scheint einer Besonderheit zum Opfer zu fallen: sie ist unterirdisch ausgehöhlt, sie droht daher eines Tages zu versinken. Darüber hinaus ertragen die Bewohner/ Bewohnerinnen der Stadt, dass sie von einer Gräfin regiert werden, die von ihrem Schloss aus alle Handlungen und Aktivitäten überwachen und kontrollieren lässt, zudem unzählige Grundstücke gekauft hat.
„Die Gemeinde ist ein empfindsames Nervensystem (…). Das Schloss ist der Kern, von dem aus Gänge, Straßen (..) in alle Zellen der Stadt führen“ (S.106). Die Gräfin bittet Ruth darum, sich über die Zeit des Begräbnisses hinaus, in der Gemeinde einzubringen, doch diese sträubt sich innerlich gegen diesen Gedanken. Irgendwann findet sie heraus, dass in der Stadt kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs an diesem Ort Zwangsarbeiter stationiert waren: „Du weißt, dass KZ-Arbeiter hier stationiert waren, oder?“ (S.305). Über den Verbleib vermisster Zwangsarbeiter recherchiert Ruth und stößt damit auf wenig Gegenliebe bei den Einwohnern der Stadt. „Ruth (…) du wirst doch nicht ewig bleiben, warum dann diese alten Geschichten aufwärmen?“ Eine Parallele mit Hinterbrühl, einer Stadt, in der die Autorin aufwuchs, ist nicht auszuschließen. (Das KZ-Außenlager Hinterbrühl gehörte zum Lagerkomplex des KZ Floridsdorf).
Ein Buch, spannend und in einem rasanten Tempo erzählt, rankt sich um fiktive und historische Ereignisse.
Raphaela Edelbauer, geboren 1990 in Wien, gewann 2018 den Publikumspreis der Bachmanntage für Literatur in Klagenfurt. 2019 erhielt sie den Theodor-Körner-Preis und den Deutschen Buchpreis.
2021 erschien ihr Folgeroman: DAVE. Ein Roman über Künstliche Intelligenz.
Ab sofort ist ihr Buch Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land.
im KIBI entlehnbar!