Buch des Monats März 2021

Gertrud Wahl – Segalla: Dornenpfade.
Erzählungen und Gedichte.
Horn: Verlag Berger Horn/Wien.
72 Seiten. 2019
ISBN: 978- 3-850289-160


Wenn die Seele Ruhe findet
„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, davon war der Philosoph Ludwig Wittgenstein überzeugt.
Die Aussage könnte man leicht modifizieren: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schreiben“. Dieser (indirekten) Aufforderung folgt die Autorin Gertrud Wahl – Segalla im vorliegenden Band „Dornenpfade“, der aufgeteilt ist in zwei Erzählungen: „Dornenpfade“ und „Hanna“ sowie lyrische Notate enthält. Darin verwebt Gertrud Wahl – Segalla biografisches Material, gewährt Lesenden Einblicke in das düstere Leben einer Vorstadt, mit all seinen Licht - und Schattenfiguren, umgeben von einer permanenten Aura des Todes. Authentisch und eindringlich gelingt der Autorin die Figurenzeichnung in der Erzählung „Dornenpfade“, insbesondere die „alte, rundliche Hausmeisterin“, die „erste, die das Schweigen im Raum brach“, wird lebendig vor den Augen des Lesepublikums.
Die Gedichte, mal gereimt wie im Folgenden: „Kleine Melodie“: Die Nacht ist still gegangen/der Mond steigt herauf/muss um mein´ Liebsten bangen“ oder in freier Versform, wie in „Gedankenspiel“: Tanzendes Irrlicht lockst mich zum Abgrund/lächelnd und kosend/ringsum im Kreis (S.52) bringen Inneres nach außen.
Von einer wohltuenden Ruhe, die sich nach dem Schreiben in der Seele ausbreitet, erfahren wir am Ende der Erzählung „Dornenpfade“ (S.32).
Gertrud Wahl – Segalla, (1921 – 2007), wäre im März 2021 hundert Jahre alt geworden. Sie war Lehrerin, Buchhalterin, studierte Deutsch, Englisch und Lebenswirtschaftskunde, verfasste eine Dissertation. In der Pension galt ihr Interesse dem Kunsthandwerk. Eine facettenreiche Autorin, die dem Nichtsagbaren und doch Existenten einen Ort gibt und es in Worten lebendig werden lässt.


Cornelia Stahl