Buch des Monats April 2021

Stanislav Struhar: Das Manuskript: Roman.
Aus d.Tschechischen v. Andrej Leben.
Klagenfurt/Celovec: Drava. 2002.
ISBN: 978-3-85435-378-2

Sprache als Faktor der Integration
Ben ist als Kind von Abidjan nach Österreich übersiedelt. Hier fühlt er sich wohl, hier hat er rasch die Sprache erlernt. Doch die Sprache, in der er denkt und seine lyrischen Verse und Prosatexte verfasst, ist nach wie vor Französisch.
Im Roman erfahren wir vom Aufwachsen des Buben in einer französisch-sprechenden Community in Österreich. Die Hautfarbe ist nicht wirklich ein Thema, wenn es um Freundschaften geht und um Zuneigung dem anderen Geschlecht gegenüber. Als Ben mit seiner Freundin Ulrike unterwegs ist, lernt er jedoch die andere Seite der sonst freundlichen Österreicher/innen kennen. Des Öfteren gerät er in rassistisch motivierte Angriffe. Das erinnert ihn an die ersten Anfeindungen seinem Vater gegenüber, die er als Kind selbst mitansehen musste und die seine kindliche Seele verletzten: „Die Tränen schossen mir in die Augen“ (S.7).
Der vorliegende Roman kreist nicht nur um Rassismus und Sprache als entscheidenden Faktor der Integration. Im Subtext lesen wir von den Mühen eines Schriftstellers, der zunächst Gedichte in seiner Muttersprache verfasst und sich bemüht, in österreichischen Verlagen Prosatexte und Lyrik anzubieten. Zusehends verliert er die Hoffnung, da Absagen seitens der Verlage zur Alltagserfahrung für ihn werden. Als ein Verlag die Bereitschaft einer Probeübersetzung signalisiert, schöpft der junge Autor neuen Mut. Erkennbar ist die Verflechtung von fiktiven und autofiktionalen Elementen.
Stanislav Struhar, geboren 1964 in Zlin (Südmähren), flüchtete 1988 mit seiner Frau nach Österreich. Er arbeitet als Buchhändler in Wien und schreibt seit jungen Jahren Gedichte Und Prosa. Das Manuskript ist seine erste Romanveröffentlichung.

Ein fein beobachtetes Soziogramm eines Nichtösterreichers! Unbedingt lesen!