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Krisen und Konflikte in der Bibliothek - Das Jahrestreffen 2022

Mag. Gerhard Sarman und die Geehrte Barbara Fritsch (Bücherei Pillichsdorf) (Foto: KiBi)

Nach einer Begrüßung der Referenten durch Mag. Gerhard Sarman, Andreas WELICH (Konfliktmanager in der Erzdiözese Wien) und Monika AISTLEITNER (Vorsitzende des Salzbuger Bibliotheksverbands, Referentin am BIFEB in Strobl) folgte zunächst ein kurzer geistlicher Impuls.

Der geistliche Impuls aus Psalm 43 soll uns ermutigen und für unseren Dienst stärken, wir sollen „auf Gott harren, denn ich werde meinem Gott danken.“ Dies ist vor allem für Situationen mit Spannungen und Konflikten hilfreich.

Danach wurde Frau Barbara FRITSCH aus der Bibliothek Pillichsdorf für 40 Jahre Tätigkeit, davon 28 Jahre als Leiterin, mit einer Ehrenurkunde geehrt, da sie sich nun zurückzieht und die Bibliothek in jüngere Hände legt.


Mag. Andreas Welich (Foto: KiBi)Mag. Andreas Welich (Foto: KiBi)

Konflikte und Wir - Andreas Welich

Konflikte sind zwar durchaus unangenehm und wir weichen ihnen gerne aus, aber sie sind manches Mal einfach notwendig und bieten auch die Chance, etwas zum Besseren zu verändern. Wie ich Konflikte erlebe, hat etwas mit meiner Konfliktbiographie, den bisher erlebten Konflikten, zu tun. Doch läßt sich jeder Konflikt klären? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was unter Klärung eines Konfliktes verstanden wird: heißt Klärung Lösung oder einfach Akzeptanz, dass es den Konflikt gibt? 

Konflikte entstehen, weil Wahrnehmungen interpretiertes Verhalten sind und wir die echten Bedürfnisse hinter dem Verhalten oft gar nicht sehen können. Ein Bedürfnis ist aber immer gut, trotzdem kann das Verhalten, mit dem ich das Bedürfnis stille, problematisch sein. 

Menschen sind mehr als das, was wir sehen, weil wir die Lasten, die sie in ihrem Leben tragen, nicht sehen. 

Anschließend wurden ein Modell zur Konfliktbearbeitung und eines zu den Phasen eines Konflikts vorgestellt.

Es gibt mehrere Phasen eines Konflikts, Moderation und Vermittlung von außen ist meist notwendig. Wir müssen Kritik nicht positiv einrahmen, sondern zu einer Wertschätzung des anderen finden, in der auch das Positive einen eigenständigen Wert bekommt.

Es gibt verschiedene, pyramidenförmig angeordnete Ebenen eines Konflikts und der Konfliktbearbeitung:

Arbeitssituation

Rollenverständnis und Funktionen

Verhalten

Werte und Normen (eigene Überzeugungen)

Persönlichkeitsprofil, Kern der Persönlichkeit

Bei der Konfliktbearbeitung werden die Ebenen so weit wie notwendig abgearbeitet, die meisten Konflikte betreffen die Ebenen Arbeitssituation und Rollen / Funktionen und in diesen Fällen bleiben die anderen Ebenen unberührt. Arbeitssituation und Rollen- und Funktionsverständnis sind änderbar. 

Je fortschreitender der Konflikt ist, umso weniger Gewinner gibt es.

Auf einen Konflikt kann ich dreifach reagieren:

1. Den auf mich Zukommenden bremsen -  das braucht Kraft

2. Dem auf mich Zukommenden durch beiseite treten ausweichen

3. Sich bei einem Kompromiß mit dem auf mich Zukommenden treffen.

Egal wie ich im konkreten Fall reagiere (etwa jemanden reden lassen), ich muß mich immer für eine Reaktion entscheiden. 

Die erste Einheit wurde mit zwei Aktivierungsübungen abgeschlossen. 

Bei der ersten Übung sollte jede Person im Raum zwei andere Personen auswählen ohne dass diese dies merken und mit ihnen ein gleichschenkliges Dreieck bilden.

Die zweite Übung bestand darin, zwei Personen auszuwählen, diese jeweils zweimal zu umrunden und dann wieder auf den eigenen Platz zurückzukehren.

Die Übungen sind dabei sinnfrei, doch wir müssen auch Dinge tun, die keinen Sinn haben, um sich frei im Raum zu fühlen. 

Die beim Vortrag erstellten Plakate gibt es zum download.


Teilnehmer beim angeregten Gespräch in der Pause (Foto: KiBi)Teilnehmer beim angeregten Pausengespräch (Foto: KiBi)

Nach einer Pause folgte ein kurzes Grußwort von Erwin Mayer, einem der drei Regionalbetreuer aus dem Bereich Erwachsenenbildung Regional, zu dem auch das KiBi gehört, in dem er uns diese neue Vernetzung vorstellte.


Mag. Monika Aistleitner (Foto: KiBi)Während der Gruppenarbeit (Foto: KiBi)Während der Gruppenarbeit (Foto: KiBi)

Es folgte der zweite thematische Teil mit Monika Aistleitner aus Salzburg.

Der Einstieg begann mit einem Kurzfilm „Das Ei ist hart.“ Hat das Ei tatsächlich viereinhalb Minuten gekocht, wenn ich es „nach Gefühl“ koche?

Ähnliches passiert in der Bibliothek: wurde ein Buch bewußt liegen gelassen oder wurde einfach nur vergessen, es wegzuräumen?

Eine Pfarrbibliothek kann zu vielerlei Konflikten führen, weil vielleicht auch andere Gruppierungen in der Pfarre auf bestimmte Ressourcen zur selben Zeit zugreifen wollen.

Es gibt heiße oder kalte Konflikte, heiße Konflikte sind gerade aktiv. Am Schwierigsten wird es, wenn die andere Konfliktpartei den Konflikt gar nicht wahrhaben will.

Beispiel: österreichische Literatur präsenter machen, weil „Die magischen Tiere holen sich die Kinder eh selber.“

Beispiel: Konflikt mit dem Träger bezüglich Finanzen. 

Beispiel: Bücherei macht sich so breit im Pfarrhof.

Beispiel: Pfarre meint, die Bücherei „bringt nix“ und will Vereinbartes nicht zahlen.

Beispiel: Bibliothek wird von Pfarrer wie „jeder andere Verein“ behandelt.

Wie präsentieren wir uns als Bibliothek, weiß der Pfarrer / Träger, was wir machen? Ein Vorschlag ist ein Jahresbericht, der die Arbeit der Bibliothek detaillierter darstellt; es macht auch Sinn, in den Pfarrgemeinderat zu gehen und dort die Bibliothek vorzustellen.

In der Bibliotheksarbeit dürfen moderne Kommunikationsmittel genützt werden (Whatsapp statt SMS)

Wie gehe ich mit anstrengenden Situationen um? 

Wie sieht unsere Konfliktsprache aus? Oft wird verallgemeinert (immer, alle, jeder, überall..), dazu präsentierte Frau Aistleitner Folien mit den wichtigsten Tipps für den Umgang mit Konflikten.

„Du brauchst keine Angst zu haben“ ist eine Lüge, denn genau dieser Satz löst in mir Unbehgen und Unruhe vor dem, was kommt, aus!

 

Der Vortrag endete mit einem Auftrag in Kleingruppen:

1. Eine säumige Nutzerin weigert sich, die Säumnisgebühr zu bezahlen.

2. Ein Spiel wird unvollständig zurückgebracht

3. Die Online-Verlängerung hat nicht funktioniert

4. Eine Dame beschwert sich, dass in einer kirchlichen Bibliothek Sexbücher angeboten werden.

Beschwerden und Aufreger sind eine Chance, denn sie animieren zur Auseinandersetzung und suchen nach gemeinsamen Lösungen. Wer nur beleidigt abzieht und nicht wiederkommt, ist verloren.

Was tue ich mit jemandem, der sich neue Bücher ausborgt und diese dann beschädigt zurückbringt?

Meist gibt es mehrere Möglichkeiten für eine Lösung. Wie groß ist mein Widerstand gegen welchen Lösungsvorschlag?

Irgendwann wird es Konsequenzen geben müssen.


Beim Abschlussessen im Restaurant (Foto: KiBi)

Abschließend lud Mag. Sarman die Teilnehmer zu einem köstlichen Essen und Beisammensein im nahen Restaurant „Sägewerk“ ein, wo wir in gemütlicher Runde das Treffen ausklingen ließen.