Buch des Monats August

Dogan & Wolf: Heimat unterwegs.
Berlin: Klak-Verlag 2016. ISBN: 978-3-943767-66-7 
Von Kerer hinaus in die Welt
Als deutsche Nylonhemden Kerer, das Dorf in Anatolien, verändern, das Dorf, in dem lange Zeit Nomaden mit ihren Tieren lebten, bricht auch für Duran Durmus Dogan eine neue Zeit an. Der 1955 in Anatolien geborene Schauspieler, Regisseur und Autor erzählt  in seinem Buch „Heimat unterwegs“ seine Lebensgeschichte und die seines Vaters und Großvaters. Seine Geschichten lesen sich nicht nur als private Aufzeichnungen. Der Autor bringt uns ein Stück Zeitgeschichte näher, ausgehend von Kerer, wohin schon immer Menschen aus aller Welt kamen,  und es später wieder verließen, um in der Fremde Arbeit zu suchen und die daheim gebliebenen Angehörigen zu versorgen.

Viele Wege führen nach Wien
Dogans Wege führen ihn über unzählige Tätigkeiten und Standorte, wie zum Beispiel Istanbul, Ankara, Hamburg, Rotterdam, Berlin schließlich nach Wien. Dort nimmt er ein Studium an der Universität für Angewandte Kunst auf, arbeitet nebenher am Dramatischen Zentrum als Schauspieler oder Tänzer sowie im Theater und in Filmen. Seine humorvoll formulierten Geschichten wirken teils komisch, teils traurig-schön und ironisch. Mit Spannung verfolgt der Leser den Verlauf der Geschichte (n), möchte wissen, welchen Verlauf und welches Ende sie nehmen.
Am Ende des Buches fasst der seit Anfang der 1970er Jahre in Wien lebende Autor sein  momentanes Lebensgefühl in kurzen Statements zusammen: „Mit der Zeit  bin ich der in Wien lebende Durmus Dogan geworden“. Ein Autor, den ich gern empfehle und unterstreiche gleichzeitig die Besonderheit des Buches als wichtiges Werk und Bestandteil der Migrations- bzw. Zeitgeschichte des 21.Jahrhunderts. Michaela d. Wolf, Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik, arbeitet seit über zwanzig Jahren mit dem Dogan zusammen.


Cornelia Stahl