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Buch des Monats April 2022

Lydia Steinbacher: Schalenmenschen. 2019. 

Wien. Septime-Verlag. 216 Seiten. 

ISBN: 978-3-902711-86-1 

 

Seltsame Menschen – in Geschichten verpackt 

Eine Spaziergängerin trifft inmitten des Waldes auf eine ältere verlassen wirkende Frau, die angeblich eine unterirdische Fabrikanlage bewacht. Erinnert hat mich dieses Szenario an Didi Drobnas Neuerscheinung „Was bei uns bleibt“ (2022), denn auch dort geht es um eine unterirdische Fabrik, genauer gesagt, um die Hirtenberger Munitionsfabrik, welche bis 2019 existierte. Als die Spaziergängerin an den Ort zurückkehrt, fehlt von der alten Dame jede Spur. 

In der Geschichte um Lenka spielt das Verschwinden ebenfalls eine zentrale Rolle: Zunächst verstirbt Ehefrau Lenka. Nur der leere Platz im Ehebett und der wehende Vorhang erinnert an ihre frühere Existenz. Übriggeblieben ist Lenkas Katze, doch auch sie verschwindet. Beim Aufstieg, hinauf zum Laurenziberg (Berg Petrín, Prag), mit Blick auf den kleinen Eiffelturm, entdeckt der Ehemann plötzlich eine Katze, von der er meint, sie könnte Lenkas entlaufene Katze sein, doch er wird von ihr gebissen. Der Name Lenka spülte Erinnerungen an die verstorbene deutschsprachige jüdische Prager Autorin Lenka Reinerova in mein Gedächtnis.

Steinbacher erzählt von Besonderheiten um Verluste und Leiderfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich nicht augenblicklich, sondern erst in nachfolgenden Jahren entfalten. Dem Kreislauf des Lebens zwischen Geburt und Tod spürt die Autorin nach und findet eigene Bilder, um Besonderheiten hervorzuheben. Die Erzählungen eröffnen vielfältige Assoziationsketten und lassen Mehrfachdeutungen zu. 

Lydia Steinbacher, geboren 1993 in Waidhofen/Ybbs, studierte Deutschen Philologie. Die junge Autorin erprobte sich in verschiedenen Genres und überzeugt durch ihre Sprachkraft. 2017 erschien ihr Lyrikband „Im Grunde sind wir sehr verschieden“, 2021 der Roman „Wolgaland“, der von Wolgadeutschen erzählt. 

- Im kibi entlehnbar -