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KiBi-Umfrage: Wie geht es unseren Bibliotheken?


Über die kirchlichen Bibliotheken weiß man viel, es gibt reiches Zahlenmaterial. Aber wie fühlen sich die BibliothekarInnen? Um darüber etwas zu erfahren habe ich – angeregt von Mag. Sarman – in den letzten Monaten einige Bibliotheken in allen Regionen der Erzdiözese Wien besucht. Insgesamt waren es 19. Hier nur ein kurzer Überblick meiner Erlebnisse.
Die kirchlichen Bibliotheken kannte ich ja davor noch nicht. So hat mich mein Besuch tief beeindruckt: Ich habe sehr kompetente, hoch motivierte Leiterinnen und Leiter kennen gelernt. Das kirchliche Bibliothekswesen ist in guter Hand.
Ich habe Senioren getroffen, die seit Jahrzehnten mit der Bücherei mitgewachsen sind, aber auch junge Vertreterinnen, die trotz Beruf und Kindern (manche begleiteten sogar die Mama) die Bibliothek mit Leben versehen.


Unterschiedliche Rahmenbedingungen in Stadt und Land

Die Rahmenbedingungen sind deutlich verschieden. Am Land herrschen andere Bedingungen als in Wien. Besonders in der Bundeshauptstadt stellen die städtischen Bibliotheken (auch Schulbibliotheken) eine starke Konkurrenz dar. Einige Büchereien leiden darunter. Andere entwickeln Selbstbewusstsein: Wir kirchliche Stellen haben den Vorteil der persönlichen Beziehung, der flexibleren Öffnungszeiten (auch am Sonntag) und oft auch das aktuellere Buchangebot. „Die Pfarrbibliothek muss die Konkurrenz mit Aktualität übertreffen“, habe ich öfter gehört.
Am Land ist manchmal die zerstreute Siedlung ein Handikap, der Standort der Bibliothek ist oft nur per Auto erreichbar. Einen Bücherbus, der die unterschiedlichen Ortschaften und Stationen anfährt, kann sich nur eine Bibliothek mit mächtigem Träger leisten.

Unterstützung macht Mut

Nach meiner Wahrnehmung ist die Einstellung des „Trägers“, also der Pfarre / des Pfarrers für den Erfolg nicht unerheblich. Vom Pfarrer geschätzt, bringt das Ermutigung. Wenn auch noch die Gemeinde die Bücherei unterstützt, wirkt sich das ebenfalls auf den Erfolg aus. Die Pfarrbibliothek ist in vielen Gegenden die einzige Kultur-Institution und trägt zum Bildungs-Level der Bürger bei. Wenn allerdings ein neuer Pfarrer die bestehenden pfarrlichen Gruppen auflöst oder die Messbesucher vertreibt, wirkt sich das auf die Kundenfrequenz der Bücherei direkt aus.
Mehrfach wurde mir berichtet, wie wertvoll die Regionaltreffen sind. Hier kann man sich – in überschaubarem Kreis – austauschen, aber auch von den Ideen anderer profitieren. Die Unterstützung durch KiBi – sei es bei der Gründung, durch Übernahme von Kontingenten aus der Zentrale oder bei auftretenden Schwierigkeiten – wird hoch geschätzt.

Sinkt der Lesebedarf?

Auch lokale Gewohnheiten divergieren: mehr oder weniger Lesebedarf. Mehrere Bibliotheken klagen über den Rückgang der Leser. E-book, Handy und Internet lösen die Freude am Lesen von Büchern ab, besonders im Jugend-Alter. Die Zielgruppe richtet sich daher oftmals an die Kinder. Das Verhältnis von Kinderbüchern zu Erwachsenen-Literatur verschiebt sich, bis hin zur reinen Kinderbücherei. Nicht wenige Bibliotheken halten mit vermehrten Veranstaltungen (Lesungen, Puppentheater, Schulbesuchen uva.) dagegen. Dass dies einen deutlich erhöhten Arbeitsaufwand erfordert, ist einzusehen und anzuerkennen. Nicht jeder Leiter kann diesen Mehraufwand aufbringen.
Recht unterschiedlich ist die Größe des Teams. Von „sind nur zu zweit“ bis zu mehr als einem Dutzend Mitarbeiter wurden mir genannt. Eingebettet in ein großes Team fühlt man sich sicherer. Man kann da auch das Angebot erweitern. Aufgefallen ist mir, dass bei größerem Team die Aufgaben besser (und entsprechend der jeweiligen Begabungen) verteilt werden können. Auf jedem lastet nur ein Teil der Gesamt-Arbeit.
Wie schaut die Zukunft aus?
Der Blick in die Zukunft war für mich erstaunlich unterschiedlich. Nicht selten wurde mir berichtet, wie schwer es ist, weitere (jüngere) Mitarbeiter zu gewinnen, verbunden mit der Sorge, dass eines Tages die Bücherei nicht mehr betrieben werden kann. Anderseits war von gleichbleibendem Kundeninteresse, ja sogar von Zunahmen die Rede, verbunden mit der Zuversicht, die Bücherei noch lange erhalten zu können, ja sie sogar ausbauen und zu einem bedeutenden Kulturzentrum zu entwickeln.
Resümee
„Die Zeiten ändern sich“, sagt ein altes Sprichwort, „und wir mit ihnen.“ Wenn manche Bibliothekare in den wohlverdienten Ruhestand treten, wird vielleicht die eine oder andere Bücherei schließen müssen. Aber es könnte auch ein neues, frisches Team gewonnen werden. Doch die meisten Bibliotheken werden auch noch die kommende Zeit mitgestalten, die Lesefreude pflegen und hegen, sowie das Interesse an Bildung hochhalten. Da bin ich voll Zuversicht.

Johann Ladstätter


Bei seiner Umfrage sammelte HR i R. Johann Ladstätter auch viele Tipps für die Bibliotheken, die die Bibliotheksarbeit erleichtern.