Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Bibliothekar - ein Erfahrungsbericht

Im Kirchlichen Bibliothekswerk der Erzdiözese Wien und in vielen unserer Partnerbibliotheken arbeiten ausgebildete Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Die meisten von ihnen haben die Ausbildung zum ehrenamtlichen und nebenberuflichen Bibliothekar absolviert.

Diesee Artikel soll daher diese Ausbildung näher vorstellen, um auch andere Personen, die in Bibliotheken mitarbeiten oder mitarbeiten wollen, dazu zu ermutigen, diese sehr hilfreiche und gute Ausbildung zu machen.

Die Ausbildung wird für Mitarbeiter von Bibliotheken durch das Bundeskanzleramt finanziert und läuft in drei, jeweils eine Woche dauernden, Modulen am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) in Strobl statt, wobei die erste dieser drei Wochen als Regionale Einführung in die Bibliothekspraxis auch lokal, für die Erzdiözese Wien meist in Niederösterreich, absolviert werden kann. Diese regionale Einführung wird alle zwei Jahre angeboten.


Auch im Februar 2018 findet in Niederösterreich wieder eine regionale Einführung in die Bibliothekspraxis statt, und zwar in Rabenstein statt. Genauere Informationen finden Sie auf dem beiliegenden Informationsblatt, welches Sie auch herunterladen können: Download Infoblatt REB 2018

Die regionale Einführung in die Bibliothekspraxis findet an drei Wochenenden statt, wobei die Ausbildung am Freitag Nachmittag beginnen und bis Samstag Nachmittag dauern. Dabei werden die Inhalte in mehreren Einheiten mit Pausen vorgetragen und erarbeitet. Dabei geht es inhaltlich beispielsweise um Geschichte des Bibliothekswesens, Aufgaben der öffentlichen Bibliotheken oder Bestandsaufbau. Einen wichtigen und bereichernden Punkt stellt dabei auch der Austausch untereinander dar, der sich in informellen Gesprächen ind den Pausen und bei den gemeinsamen Mahlzeiten fortsetzt und vertieft. Auch die gegenseitige Vernetzung der Teilnehmer untereinander ist dabei ebenso wichtig, weil dann auch die im Alltag der eigenen Bibliotheksarbeit gemachten Erfahrungen reflektiert und dabei auftretende Fragen gemeinsam geklärt werden können. Die Atmosphäre ist, auch wenn in relativ kurzer Zeit viele Inhalte vermittelt werden, sehr angenehm und kollegial und ich habe in meinem Kurs die Kursteilnehmer ebenso wie Kursleiter und Vortragende allesamt als sehr offen und den Ideen und Fragen der Kursteilnehmer interessiert erlebt, wobei auch besondere Wünsche, wenn sich das mit dem Kursprogramm vereinbaren ließ, berücksichtigt wurden. Aus meiner Erfahrung kann ich nur ermutigen, diesen Kurs nicht nur zu absolvieren, sondern auch aktiv mit eigenen Fragen, Sorgen und Problemen, die in der Arbeit in der Bibliothek auftreten, zu konfrontieren. 

Die regionale Einführung in die Bibliothekspraxis in Niederösterreich wird von Forum Erwachsenenbildung Niederösterreich, von den kommunalen Bibliotheken und von den kirchlichen Fachstellen der Erzdiözese Wien und der Diözese St. Pölten getragen und am Ende bekommen die Teilnehmer eine Bestätigung über die Absolvierung der regionalen Einführung, die dem ersten Ausbildungsmodul der Ausbildung zum ehrenamtlichen und nebenberuflichen Bibliothekar entspricht und daher dürfen die Absolventen sich sofort danach zur zweiten Kurswoche in Strobl anmelden.

Alternativ zur regionalen Einführung können sich Interessierte auch direkt für einen Kurs in Strobl anmelden. Das, was in der regionalen Einführung an drei Wochenenden durchgenommen wird, wird dann im ersten Modul in einer Woche durchgenommen. Solche Kurse beginnen mehrmals im Jahr, es gibt auch Ferien- und Sommerkurse.


Nach der Absolvierung der regionalen Einführung in die Bibliothekspraxis oder des ersten Ausbildungsmoduls in Strobl folgen das zweite und dritte Modul. Diese finden immer in Strobl am Wolfgangsee im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung statt, wobei es Kurse gibt, die besonders für Absolventen der Regionalen Einführung geeignet sind (diese sind im Ausbildungskalender eigens ausgewiesen, der Einstieg ist aber auch in andere Kurse möglich).

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass es möglich ist, die Module in verschiedenen Kursen zu absolvieren, wenn etwa die Teilnahme am eigenen Kurs nicht möglich ist. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass alle drei Module innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren absolviert werden müssen, weil sonst absolvierte Module ihre Gültigkeit verlieren.

Auch bei den Modulen in Strobl geht es nicht nur um die Vermittlung vielfältiger Inhalte während der einzelnen Einheiten. Auch dort stellt der gegenseitige Austausch und die Vernetzung untereinander ein wichtiges, wenn auch nicht hauptsächlich verfolgtes Ziel dar. Auch hier war die Atmosphäre sehr kollegial und offen, auch wenn das Kursprogramm vielfältig und inhaltlich intensiv war.

Ein wichtiger Punkt des zweiten Moduls ist die Themenfindung für das im Folgenden durchzuführende Projekt. Dieses Projekt soll die Bibliothek weiterentwickeln und sowohl der Bibliothek als auch dem Team in der Bibliothek und dem, der das Projekt durchführt, etwas bringen. Was konkret gewählt wird, entscheidet der jeweilige Kursteilnehmer, das Thema muss anschließend schriftlich beantragt und sowohl vom eigenen Bibliotheksleiter als auch vom Kursleiter genehmigt werden. Die Projekte in meinem Kurs reichten von einem Leitfaden zur Neugründung einer Bibliothek über die Erstellung eines Bibliotheksfolder, die Durchführung verschiedener Veranstaltungen in der Bibliothek (z.B. Ferienspiel) bis hin zur kompletten Renovierung einer Bibliothek.

Nach der zweiten Woche beginnt die Umsetzung des eigenen Projekts in der Bibliothek. Auch dabei habe ich erlebt, dass sowohl mein Team in der Bibliothek als auch das Team der Kursleitung stets offen für meine Fragen war und so war die Durchführung des Projekts der Erstellung eines Leitfadens zur Neugründung einer Bibliothek zwar durchaus intensiv, aber stets auch unterstützt und begleitet, wobei viele ergänzende und hilfreiche Aspekte eingebracht wurden.

Etwa vier bis sechs Wochen vor dem dritten Modul ist gemeinsam mit dem Prüfungsantrag auch eine Projektarbeit, die das durchgeführte Projekt dokumentiert und reflektiert, an den Kursleiter zu senden. Meine Projektarbeit, die einen Leitfaden zur Neugründung einer Bibliothek umfasste, steht als Download bereit. Download Projektarbeit

Von dieser Arbeit müssen zwei Exemplare an den Kursleiter gesendet werden, der sie an den Büchereiverband Österreichs weiterleitet. 

In der dritten Kurswoche, dem Abschlussmodul, findet eine fachliche Prüfung statt, in der bibliothekarische Fachfragen zu beantworten sind. Den zweiten Teil der Prüfung stellt die Präsentation des eigenen Projekts vor einer Prüfungskommision und den anderen Kursteilnehmern dar. Dabei kann der Kursteilnehmer frei wählen, wie er sein Projekt präsentieren möchte. Der eigenen Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt und ich durfte in meinem Kurs sehr vielfältige Präsentationen erleben, wobei der Bogen von klassischen Powerpoints bis hin zu einer Geschichte oder einem Wissensquiz reichte. Auch in diesem Modul war die Atmosphäre sehr angenehm. Das Programm des dritten Moduls wird mit vertiefenden Vorträgen abgerundet und oft mit einer Exkursion abgeschlossen. Am Ende des Kurses erhalten die Absolventen ein Zertifikat.

Abschließend danke ich sowohl den Kursleitern Prof. Adalbert Melichar (Regionale Einführung in die Bibliothekspraxis) und Robert Mech (Ausbildungslehrgang 121), den Kursteilnehmern und den Ausbildungsteams und dem Kirchlichen Bibliothekswerk für die Unterstützung bei der Ausbildung.

Nähere Informationen finden Sie im Folder des Büchereiverbandes Österreichs. Dieser steht Ihnen auch als Download zur Verfügung. Download Folder 

Die aktuellen Ausbildungstermine des Büchereiverbandes Österreichs finden Sie als Download. Download Ausbildungstermine

Mag. Ivo Baotić


Bei der Urkundenverleihung (v.l.n.r.): Helga Reder (BVÖ), Mag. Ivo Baotić, Kursleiter Robert Mech, Foto: Susanne Österle, Kursteam

Die Absolventen des Kurses 121 aus den KiBi-Partnerbibliotheken: Jutta Unger (Velm-Götzendorf), Mag. Ivo Baotić (KiBi), Lore Neumaier (Pressbaum), Foto: privat